Das Restaurant Sternen kann den Grossen Sternen Saal für Sie mieten. Unser Menuvorschläge


Von Hans Stucki,

Initiant und erster Präsident des TSB

 

 

Der Sternensaal steht an einem geschichtsträchtigen Ort. Bümpliz, im Westen der Stadt Bern, war einst ein bedeutendes frühgeschichtliches und römisches Siedlungszentrum (heute Bienzgut). Um 930 residierte die Königin Bertha im hochburgundischen Königshof (heute Altes Schloss). Die Bewohner des längs des Stadtbachs entstandenen Bauerndorfes trafen sich vermutlich seit dem Mittelalter im Gasthaus am Bach zu Speis und Trank. Die beim letzten Umbau 1989 - 91 zu Vorschein gekommenen mittelalterlichen Bauteile, wie zB. die spätgotischen Fenstereinfassungen im Erdgeschoss, zeugen davon. Kurz vor Weihnachten 1989 kam es  im Sternen sogar zu einem spektakulären Kunstraub: als Handwerker verkleidete Diebe entwendeten am helllichten Tag wertvolle illusionistisch bemalten Brett-Pilaster-Täger. Als Glück im Unglück kann der Umstand gelten, dass unter dem entwendeten Täfer eine aus dem frühen 17 Jahrhundert stammende Farbfassung zum Vorschein kam. Die seit 1803 selbständige Gemeinde hielt der Überlieferung nach im alten Sternensaal im ersten Stock des Gasthauses ihre Gemeindeversammlungen ab. Am 1. Januar 1919 wurde Bümpliz von Bern eingemeindet. Den Übergang vom einstigen Bauerndorf zur dicht besiedelten Vorstadt beschrieb der in Bümpliz lebende Dichter Carl Albert Loosli (1877-1959) in seinem Roman Es starb ein Dorf  (dort «Wydenau»). Mit dem Bau des grossen Saales durch den damaligen Wirt im Jahre 1928 entwickelte sich der Sternensaal zum kulturellen Zentrum. Die Tochter des Wirts war Schauspielerin und nicht zuletzt für sie richtete er eine fürs Theater geeignete Bühne ein. Diese ist noch heute nach der Stadttheaterbühne die zweitgrösste Bühne in der Stadt Bern. Früher hatte sie sogar einen Orchestergraben! Schon nach wenigen Aufführungen war es indessen klar, dass die Schauspielkunst im Sternen zuwenig Anhänger fand. In den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts fröhnten die Bümplizer im Sternensaal lieber den populär gewordenen Filmvorführungen. Laut dem ehemaligen Filmoperateur W. Ritschard hätten sich oft über 1000 Besucher pro Vorstellung (!) die Filme angeschaut. Daneben war der Sternesaal der Ort für die dörfliche Kultur und Politik. Legendäre Abendunterhaltungen der Turner, der Musikgesellschaften und weiterer Dorfvereine gehörten zu den kulturellen Höhepunkten in Bümpliz. Und die Stadtpolitiker fanden hier ihre Bühne im oft prall gefüllten Saal. Das  Gasthaus und der Jugendstilsaal mit der wiederhergestellten Originalbemalung aus dem Jahre 1928 hat auch in der heutigen Zeit seine Funktion. Trotz Fernsehen finden hier Menschen Zeit und Musse zur Pflege des gemütlichen Zusammenseins.

Bümpliz, 19. Oktober 2005